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Wichtige Information vorab: Auf Grund einiger Fragen und Anmerkungen von Freunden, Besuchern dieser Webseite und Patienten Folgendes:

Wichtiges/Grundsätzliches zu den hier von uns verfassten Artikeln. Alle persönlichen Stellungnahmen und kurzen Abhandlungen basieren auf unserem persönlichen Wissen und unseren persönlichen Einschätzungen, die wir uns im Laufe der Jahre und weiter fortwährend über Literatur, Konferenzen und auch im Austausch mit Kollegen angeeignet haben. Dies bedeutet jedoch auch, dass wir für Inhalt und dauerhafte wissenschaftliche Richtigkeit keine Garantie übernehmen können, da sich immer wieder neue Erkenntnisse in vielen Gebieten der Psychologie/Medizin/Physiotherapie ergeben. Wir orientieren uns –  soweit es uns zeitlich möglich ist – an den aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnissen, auf Basis derer wir unsere Artikel verfassen. Sollte in einem Artikel eine rein persönliche Einschätzung integriert sein, so kennzeichnen wir dies. Anmerkungen, Fragen und Kritik sind jederzeit und gerne an uns heranzutragen.

Wir danken kurz für Ihre Aufmerksamkeit und nun geht es weiter mit ……..

Wichtiges Update: Im Anschluss ein Video ( zunächst als Facebook link)  zur Corona Krise. In diesem Video erläutere ich Ihnen, in wie weit wir seelisch von der Krise beeinflusst werden, welche Ängste aber auch Gefühle von Kontrollverlust, Frusttration und teilweise Aggression in uns aufkommen.

Link zum Video: https://www.facebook.com/1495182134123758/videos/1980574318744050/

Bei Fragen oder Anregungen bitte eine email an:

interphysiobonn@googlemai.com oder via

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Bleiben Sie gesund, wir sind auch und vor allem in diesen Zeiten für Sie da.

01.02.2022:

Thema: Psychische Erkrankungen und Vorurteile

Das Thema Depressionen, stellvertretend für viele weitere psychische Erkrankungen ist wie kaum ein anderes Thema in den letzten Jahren sowohl in den TV Medien, als auch in der Presse und in sozialen Medien in den Fokus geraten. Es soll aufgeklärt werden, es soll Betroffenen helfen und es soll sensibilisiert werden. Aber ist eine quantitative Zuwendung zu diesem Thema auch gleichbedeutend mit qualitativer Aufklärung? Leider nicht immer.

Vor allem steht weiterhin ein wichtiger Problempunkt bei Depressionen, wie auch bei den übrigen psychischen Erkrankungen offenkundig dar. Es fehlt an Aufklärung hinsichtlich der Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen – einfacher gesagt – Vorurteile gegenüber einer psychischen Erkrankung abzubauen.

Bei „typischen“ körperlichen Krankheiten ist eine breite Akzeptanz vorhanden. So zum Beispiel bei schweren körperlichen Leiden wie Krebs, Herz- oder anderen das Leben bedrohenden Erkrankungen; hier wird einem jeden darunter leidenden Menschen Mitgefühl und Aufmerksamkeit zu Teil.

Aber wie sieht das bei psychischen Leiden aus? Aus meiner praktischen Erfahrung, aber auch im ganz normalen Alltag leider ganz anders; hier bestehen weiterhin erhebliche Vorurteile.

Psychisch krank zu sein ist häufig noch gleichbedeutend mit (persönlicher) Schwäche, Unzulänglichkeit sein Leben im Griff zu haben bis hin zu stereotypen, abfälligen Äußerungen wie: „ der/die ist doch gestört“. Ja richtig, es liegt eine Störung vor. Aber warum ist das Wort Störung so negativ belastet? Ist eine „typische“ körperliche Erkrankung nicht auch im weitesten Sinne eine „Störung“? Genauer betrachtet ist sie dies. Denn bei einer Krebserkrankung sind das natürliche Zellwachstum und die beteiligten Auf- und Abbauprozesse ebenfalls aus dem Ruder geraten, oder einfacher ausgedrückt: Das biologische Gleichgewicht der Zellteilung und des Zellwachstums sind gestört. Somit könnte man hier auch von einer Störung sprechen. Dies tun wir aber nicht. Auffällig ist dies ebenso bei der Betrachtung des sogenannten ICD. Der ICD ist ein international genormtes Klassifizierungssystem aller (aktuell bekannten) Krankheiten, darunter auch der Psychischen.

Aber nun schauen Sie mal selbst…. was fällt Ihnen auf?

Übersicht des ICD-10:

Kapitel I A00-B99 Bestimmte infektiöse und parasitäre Krankheiten
Kapitel II C00-D48 Neubildungen
Kapitel III D50-D90 Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe sowie bestimmte Störungen mit Beteiligung des Immunsystems
Kapitel IV E00-E90 Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten
Kapitel V F00-F99 Psychische und Verhaltensstörungen
Kapitel VI G00-G99 Krankheiten des Nervensystems
Kapitel VII H00-H59 Krankheiten des Auges und der Augenanhangsgebilde
Kapitel VIII H60-H95 Krankheiten des Ohres und des Warzenfortsatzes
Kapitel IX I00-I99 Krankheiten des Kreislaufsystems
Kapitel X J00-J99 Krankheiten des Atmungssystems

Es fällt natürlich auf, dass alle psychischen Erkrankungen als „Störung“ bezeichnet werden. Hier bestätigt und somit manifestiert sich der Begriff Störung und mehr noch, er grenzt ab. Es ist nun müßig hier in diesem Rahmen darüber zu diskutieren, in wie weit auch die Autoren dieser Klassifizierung den Begriff der Störung hinterfragen müssen. Denn nur wenige Menschen werden mit diesem Klassifizierungssystem in direkten Kontakt treten.

Um so wichtiger ist es jedoch, in der Gesellschaft einer Vorverurteilung gegenüber psychischen Erkrankungen  -und somit den darunter leidenden Menschen – entgegenzutreten. Dies kann nicht geschehen, in dem man mit erhobenem Finger agiert und diejenigen, welche psychisch erkrankte  Menschen als gestört bezeichnen, moralisch zu belehren. Viel wichtiger ist es, die Dimensionen, die Ausmaße und die Bedrohung für den leidenden Patienten klar zu erläutern. Ebenso klar zu machen, dass nicht nur Krebs und andere somatisch bedrohliche Erkrankungen jeden treffen können, sondern auch eine psychische Erkrankung allgegenwärtig jeden treffen kann. Hierzu werde ich an dieser Stelle im Rahmen dieser Informationsseite ein wenig Aufklärung betreiben. Umfassender widme ich mich diesem Thema zur Zeit in einem Buch welches – sollte meine Zeit dies zulassen – im Laufe des Jahres 2020 veröffentlich werden soll.

Nun, ich möchte hier keine plumpe Werbung machen, sondern dem Titel entsprechend informieren.

Haben Sie sich schon einmal gefragt warum, wenn man an psychische Erkrankungen denkt, häufig automatisch Begriffe und Gedanken wie “gestört”, “Klapse, “alles Psychokram” oder ähnliches aufkommen? – Gar nicht so selten……… –

Umgekehrt, wenn man an schlimme somatische Erkrankungen denkt: “schlimm, furchtbar, schrecklich”

Warum machen wir hierbei aber eine solch drastische Unterscheidung in der Bewertung, oder besser gesagt, in der Bezeichnung? „Irgendwie kommt das automatisch“ – höre ich immer mal wieder.

Was bedeutet das eigentlich “automatisch” ?

Automatisch ist meist assoziiert mit „unbewusst“, oder „nicht länger drüber nachgedacht“. Das ist auch gar nicht verwerflich oder unangepasst, aber es zeigt ganz einfach, dass wir uns mit dem so bewerteten Thema nicht auseinandersetzen oder konfrontieren wollen bzw. können. Nach dem Motto: „passiert mir schon nicht“.   Wirklich nicht?

Passieren kann es aber tatsächlich jedem. Und manchmal bemerken wir nicht, dass sich eine relevante psychische Problematik anbahnt. Im Gegenteil, wir neigen eher dazu, aufkommende Warnsignale gezielt zu ignorieren. Sind wir (hoffentlich natürlich) in einem persönlich stabilen Umfeld eingebunden und stellen uns mutig den Problemen, dann verschwinden diese dunklen Wolken zumeist zügig wieder. Aber was ist wenn mich die dunklen Wolken immer weiter trüben, ich mich davon abwende, ohne die Warnzeichen ernst zu nehmen? Dann kann schnell dies passieren:

Schleichende Gefahr Depression

Aber warum wenden wir uns lieber von diesen Warnzeichen ab, warum ignorieren wir diese lieber, als sich damit auseinanderzusetzen?

Zwei Möglichkeiten gäbe es da:

  1. der (Irr)-Glaube, dass psychsiche Probleme nicht wirklich existentiell bedrohlich sein können bzw. werden können

und

  1. die Scham, sich mit den seelischen Problemen zu „outen“, Sie anzusprechen

Zu Punkt 1.: In diesem Punkt hat sich in den letzten Jahren „glücklicherweise“, so perfide das nun auch klingen mag, „einiges“ getan. Vor allem in den Medien wird das Thema psychischer Erkrankungen immer intensiver platziert. Beispiele hierfür sind der Tod von Herrn Enke oder Robin Williams und vieler anderer Prominenter (Whitney Houston, Silvia Seidel…). Dies hat die vermeintliche Harmlosigkeit einer Depression sehr klar ad absurdum geführt. Einfach gesagt, an einer Depression zu sterben ist keine und zufällige Ausnahme. Und eine Depression trifft nicht nur den „kleinen Mann/die kleine Frau“ von nebenan; Nein es trifft -sogar- Menschen, von denen man meinen könnte, “die haben doch alles, ………….Geld, Erfolg, Aufmerksamkeit “…… Kurzum, es kann jeden treffen. Wirklich jeden.

Positiv zu bewerten ist, dass wiederum viele Stars und Berühmtheiten in der letzten Zeit offen damit umgehen, dass Sie an psychischen Erkrankungen leiden und somit einer Tabuisierung entgegentreten. Beispiele hierfür sind Lady Gaga, Gwyneth Paltrow, Owen Wilson und viele mehr. Dies alleine reicht natürlich nicht aus, um die grundlegenden “Vorurteile” gegenüber psychischen Erkrankungen abzubauen, aber es hilft für das Thema sensibler zu werden. Denn wenn ausreichend Sensibilität vorhanden ist, besteht auch die Chance die Thematik vertiefender zu betrachten und anzunehmen; sich also einer Aufklärung zu öffnen.

Und damit komme ich direkt zu oben aufgeführtem Punkt 2: Scham,……Die Scham sich zu bekennen, einfach gesagt zu erzählen, was mich belastet.

Wo kommt dieses Schamgefühl eigentlich her?

Schamgefühl ist übersetzt nichts anderes, als etwas persönliches nicht preiszugeben von dem ich glaube, dass andere (Menschen) es unangepasst, schlecht oder negativ bewerten. Warum aber schäme ich mich, ein für mich subjektiv betrachtet stark bedrohliches Leiden auszusprechen? Wenn ich mir z.B. den Finger klemme, Zahn-  oder Kopfschmerzen habe (bei Männern auch gerne die typische Mega-Grippe), gehe ich auch raus und klage mein Leid. Nun, gerade genannte Beschwerden können jeden treffen, tun weh (ganz wichtig, dazu komme ich gleich) und jeder kennt sie (all jene Beschwerden, welche mit fühlbarem Schmerz verbunden sind).

Somit sind diese Beschwerden sozial akzeptiert. Vor allem Schmerz ist etwas, was fast automatisch (da ist das wieder mit dem automatisch) Mitgefühl auslöst. Denn Schmerz ist unangenehm, nicht zu unterdrücken und jeder (fast jeder) wünscht sich, dass dieser schnell wieder verschwindet. Aber eine Depression erzeugt eben keine für jeden Menschen “echten” nachvollziehbaren Schmerzen. Die psychische Erkrankung hat für viele Umstehende auch keine „sichtbare“ Auslöse, es fehlt also qausi der offenkundige Grund für das Leiden. Man kann sich nicht hineinversetzen, weil man (Frau) es nicht kennt.

Aus dieser subjektiven Bewertung folgt dann häufig die Konsquenz: “So schlimm kann es doch nicht sein und trifft mich eh nicht”.

Mehr aber noch: Wenn eine Depression dazu führt, dass sich die betroffene Person sozial zurückzieht (Beruf, Freunde..) interpretiert man dies noch intensiver als Schwäche, oder sogar Versagen! Die Ursache dieser vorschnellen Bewertung hierfür – wie oben beschrieben

–>  es fehlt der sichtbare, mitfühlbare (hups, dieses Wort gibt es laut Word scheinbar nicht, sei es hiermit eingeführt) Grund.

Wie kann man also für etwas sensibilisieren, was nicht nachfühlbar ist? Mögliche Antwort: Erklären und Aufklären. Aber, das ist nicht so einfach. Alles was mit Schmerz und offensichtlichem körperlichen Leiden zu tun hat, ja, ….das kennt jeder. Aber auch das mussten wir in unserem Leben erst lernen. Schmerz zum Beispiel. Ein Kind fasst erst dann nicht mehr auf die schön rot leuchtende  (aber heiße) Herdplatte, nachdem es es dies das erste Mal tatsächlich getan hat. Alle Warnungen der Eltern, dass das weh tut spielen bis dahin doch keine Rolle. Das Kind muss (leider) manche Dinge erst real fühlen und dadurch eindringlich erkennen, dass bestimmte Handlungen mit unangenehmen (körperlichen) Reaktionen verknüpft sind. Ich möchte damit ausdrücken, wie schwer es ist ein Leiden nachvollziehbar zu erklären und somit begreiflich zu machen, ohne es tatsächlich erlebt zu haben. Genau dieses Problem stellt sich aber bei psychischen Erkrankungen. Denn das empfundene Leiden ist nicht auf Anhieb sichtbar; wie z.B eine Brandwunde, ein Gips am Bein oder eine blutende Wunde. Und was ich nicht sehe, ist nicht da….. Leider doch!

Und nun komme ich wieder dazu, dass die mediale Aufmerksamkeit und Auseinandersetzung mit dem Thema psychischer Erkrankungen erste gute Schritte sind, die Problematik emotional in uns Menschen zu verankern. So schlimm es ist, dass über (prominente) Menschen berichtet werden muss um zu verdeutlichen, dass Tod und Depression miteinander verknüpft sind. Dadurch wird aber – verzeihen Sie es mir – Angst ausgelöst. Angst, dies vielleicht auch zu bekommen. Nun, Angst alleinig zu provozieren reicht natürlich nicht, um Vorurteile zu beseitigen. Ebenso ist es wichtig zu verstehen, dass psychische Erkrankungen behandelbar sind, mehr sogar, behandelt werden müssen und sich eben nicht einfach so auflösen. Und auch da ist die mediale Zuwendung ein guter Schritt, dass sich (prominente) Personen offen zu Ihren Problemen bekennen und sich behandeln lassen.

Fazit:

Wir müssen dazu kommen, psychische Krankheiten zu entstigmatisieren und diese in unser gesellschaftliches Leben als realen Bestandteil zu integrieren. Nur weil der psychisch Gesunde das Leid nicht fühl- und sichtbar wahrnimmt,  ist es bei den Betroffenen tatsächlich vorhanden. Zu ignorieren heißt viel zu oft auch zu banalisieren und im Endeffekt den leidenden Menschen nicht ernst zu nehmen. Dies führt bei Betroffenen zu Scham und schlussendlich zu der Angst sich behandeln zu lassen….. und dann verlieren wir unter Umständen einen Menschen, ohne zu wissen warum. Dies fühlen wir dann, nur ist es dann zu spät.

Ich danke Ihnen sehr, für Interesse an diesem Thema. Bei Anregungen oder Kritik kontaktieren Sie mich gerne unter:

interphysiobonn@googlemail.com

Ganz herzliche Grüße und bis bald zu einem neuen Thema.

Ihr Sascha Hammesfahr

demnächst folgendes Thema hier:

Mitte Dezember 2022:

Die Selbstwertflasche

ältere Artikel ab hier:

05.08.2016:

Hallo mal wieder liebe Besucher,

nachfolgend ein kurzer Artikel der ZDF- Heute Redaktion.

http://www.heute.de/schon-wieder-montag-hirndoping-ueberschaetzter-placebo-effekt-44087358.html

Thema: Hirndoping

Vor allem vor dem Hintergrund der anstehenden Olympischen Spiele in Brasilien und der seit Wochen geführten Doping – Diskussionen ein kurzer Artikel zu sogenannten Aufputschmitteln. Diesmal jedoch inhaltlich nicht im sportlichen Sinne betrachtet, sondern als Hilfsmittel in Job, Schule und Ausbildung.

Worum geht es grob? –> In dem Artikel wird kurz Stellung dazu genommen, in wie weit  Menschen immer häufiger Tabletten einsetzen, um Ihre Leistungsfähigkeit zu steigern. Gerade unter akuten Stresssituationen und erhöhtem Leistungsdruck greifen immer mehr Menschen zu den “kleinen” Helferlein. Fatal jedoch, wenn die Nebenwirkungen (Abhängigkeitsproblematik, überschätze Erwartungen usw.) unbeachtet in Kauf genommen werden. Dieser Artikel greift im Grunde auch die Thematik “Prüfungsangst” auf.

Bevor Sie also – wie und durch wen auch immer inspiriert – in die “Versuchung” geraten, zu Leistungs – fördernden “Pillen” zu greifen, sprechen Sie uns an. Wir werden sicherlich einen effektiveren und vor allem nachhaltigeren Weg finden, Ihnen in Leistungs- und Drucksituationen Abhilfe zu verschaffen.

Mehr zu den Risiken von sogenannten Aufputschmitteln und unkontrolliert eingenommenen Psychopharmaka (z.B. Antidepressiva, Artikel vom 22.07.2016) Anfang nächster Woche.

Bis dahin

Ihr Interphysio-Bonn Team

22.07.2016:

Guten Tag liebe Interessierte, liebe Patienten,

Nachfolgender Link verweist auf einen in meinen Augen hervorragenden Artikel zum Thema „Depressionen und Medikamente“. Der Artikel ist etwas länger als einige andere Online-Artikel, aber hervorragend recherchiert und nicht einseitig in seiner Aussage.

http://www.zeit.de/zeit-magazin/2016/25/depressionen-psychotherapie-antidepressiva-serotonin-medikamente

Persönliche Stellungnahme hierzu:

Ich persönlich habe mich schon zu Beginn des Studiums mit dem Thema Medikamente und psychischen Erkrankungen auseinandergesetzt. Ausschlaggebend war die Aussage einer meiner Professoren, welcher anmerkte, dass der Entwicklung einiger psychischer Erkrankungen bei Patienten, teilweise ein mehrjähriger, persönlicher (Leidens-) Prozess zu Grunde liegt. Wie soll da eine „Pille“ diese Zeit einfach so ungeschehen machen?

Geht man dieser Frage dann auf den Grund, bemerkt man schnell, wie komplex die ganze Thematik ist. Wichtig ist es zu verstehen, vor allem als Psychologe, dass eine psychische Erkrankung hochkomplexen Mechanismen unterliegt. Da reicht es nicht mehr aus, die Grundlagen Gesprächs basierter Therapiemethodik gebetsmühlenartig anzuwenden. Es gehört viel mehr dazu, sich auch die biophysiologischen Prozesse, welche einer psychischen Erkrankung zu Grunde liegen, klar bewusst zu sein und diese auch zu verstehen. Zum einen muss im Hinterkopf behalten werden, dass es teilweise eine genetische „Veranlagung“ geben kann, an einer psychischen Störung zu erkranken. Diese genetische Komponente bedingt, dass sich unter Umständen – ausgelöst durch negativen Einfluss des Patientenumfeldes (Beruf, Freunde, Familie usw.)- eine psychische Erkrankung ausbildet. Da eine psychische Erkrankung fast immer mit einer Veränderung der neurophysiologischen Prozesse (Serotonin, Dopamin, Cortisol, um nur einige beteiligten Stoffe zu nennen) im Gehirn einhergeht, ist in der Behandlung ganz gezielt darauf zu achten.

Logisch erscheint nun, dass wenn eine psychische Erkrankung immer auch mit biophysiologischen Veränderungen einhergeht, bestimmte Stoffe (Medikamente) theoretisch ein Ungleichgewicht auch wieder „gerade rücken“ müssten. Meine Antwort dazu: Ja, aber……..

Am Beispiel der Antidepressiva: Es ist tatsächlich so, dass diese Medikamente ein unter Umständen ins Ungleichgewicht geratenes neurophysiologisches System wieder in ein gewisses Gleichgewicht rücken können. Jedoch muss sich idealerweise parallel dazu auch das Verhalten des Patienten ändern. Warum? Die Antidepressiva bewirken nach gewisser Zeit eine subjektiv empfundene Stimmungsverbesserung. Aber Vorsicht: bei einigen Antidepressiva setzt diese Wirkung erst nach einer zuvor sich einstellenden Antriebssteigerung ein und dieser Umstand kann sich sehr gefährlich auswirken. Das bedeutet, der Patient sollte je nach Intensität der Depression, auf jeden Fall psychologisch betreut werden, um diese plötzliche Antriebssteigerung gezielt zu lenken. Es ist gefährlich, einen Patienten mit diesen Medikamenten „sich selber“ zu überlassen, wie im Beispiel des Welt-Artikels angesprochen.

Mehr zu der Thematik der Wirkprozesse und Gefahren von Antidepressiva demnächst auf dieser Seite.

Wirken die Antidepressiva erst einmal, muss sich somit auch das Verhaltensmuster des Patienten ändern. Denn einfach gesagt: Lediglich die Stimmung, Laune und den Antrieb „chemisch“ zu heben, löst noch lange nicht die zu Grunde liegenden Probleme. Im Gegenteil. Schafft der Patient es nicht, die teilweise positiven Effekte der Antidepressiva auch in eine Verhaltensänderung umzusetzen, sind Rückfälle vorprogrammiert. Diese führen dann häufig zu „selbst verordneter“ Erhöhung der Dosis, dem Wunsch nach anderen, oder mehreren Antidepressiva und vielen weiteren maladaptiven (unangepassten) Kompensationsverhalten.

Kurz gesagt: Die Gefahr, dass einfach so nach einer 5-minütigen Diagnose durch den Hausarzt die Diagnose „Depression“ gestellt wird und der Patient mit dem Rezeptzettelchen entlassen wird, ist grob fahrlässig und unter Umständen lebensgefährlich. Die nutzbaren positiven Effekte der Antidepressiva werden auf diese Weise ad absurdum geführt und der Patient wird in eine völlig sich selbst überlassende Therapiesituation entlassen.

Die zu Grunde liegende Problematik an dieser weit verbreiteten Praktik wird in dem Artikel kurz angesprochen. Zum einen ist es die teilweise ewig lange Wartezeit auf einen freien Therapieplatz und zum anderen die Leichtigkeit, mit einer Tablette jahrelange Stimmungsverschlechterungen einfach mal so „umdrehen“ zu können. Aber genau da liegt sowohl auf Patienten-, als auch Arztseite eine geradezu hinterlistige Verlockung.

Fazit meinerseits: Antidepressiva sind nicht des Teufels Werk. Sie können durchaus in der Therapie psychischer Erkrankungen Hilfe leisten, sollten aber keinesfalls ohne therapeutische Begleitung angewandt werden. Wichtig ist, dass der Patient intensiv aufgeklärt wird, was in seinem Körper auch biophysiologisch passiert, damit er im Laufe einer (auch medikamentös unterstützten) Therapie, die sich verändernden Prozesse und Empfindungen auch versteht. Denn der Therapeut hat dann seine Arbeit wirklich gut gemacht, wenn der Patient mit Hilfe des Therapeuten zum Experten seiner eigenen Problematik geworden ist. Und eine Tablette alleine kann nun mal nicht sprechen und somit auch nicht erklären.

Bis demnächst wieder hier

Ihr Sascha Hammesfahr

20.05.2016: Artikel aus der Onlinezeitung “DIE WELT” zum Thema Schmerz und Psyche

http://www.welt.de/gesundheit/article126604404/Psychotherapie-wirkt-so-gut-wie-starke-Schmerzmittel.html

22.05.16: Seitenlink mit ausführlichen Informationen zu Schmerz (Ursachen, psychische Komponenten und Behandlungsmöglichkeiten)

http://docmed.tv.vitanet.de/schmerz/symptome-diagnose

30.05.16:  So bitte nicht……. Tipp zur “Behandlung” von Prüfungsangst:

http://www.psychic.de/forum/medikamente-angst-panikattacken-f76/dringend-medikament-gegen-prufungsangst-und-folgen-gesucht-t24302.html

Prüfungs/ oder Testangst ist keine Nebensächlichkeit, welche mal eben mit einer “Pille” behoben werden kann. Vor allem nicht mit verschreibungspflichtigen Medikamenten, wie z.B. Valium. Vertrauen Sie sich in solchen Fällen bitte möglichst Fachkräften an, denn mit dem “Tipp” aus diesem Forum haben Sie schnell ein zweites ernstes Problem.

09.06.2016:

Wissenschaftliche Studie, durchgeführt von Sascha Hammesfahr. Thema: chronische Schmerzen und der Zusammenhang zu psychischen Erkrankungen.

Erläuterung Sascha Hammesfahr:

Wie wir bereits hier auf unserer Webseite dargelegt haben, ist es uns wichtig, unsere Therapien stets den neuesten Erkenntnissen aus Wissenschaft, Forschung und Praxis anzupassen. Hierzu halten wir uns sowohl im Rahmen von Fachzeitschriften, als auch durch Kontakt zu Kollegen möglichst umfassend auf dem „neuesten“ Stand. Darüber hinaus ist es uns aber ebenso ein Anliegen, eigene Ideen und Erkenntnisse aus der eigenen Praxis wissenschaftlich zu erforschen und letztlich in weitere Therapiemethoden umzusetzen.

In den nächsten Wochen steht nun eine neue Studie an. Hierzu werde ich mit Unterstützung der psychologischen Fakultät der Universität Bonn eine Untersuchung durchführen. Ziel hierbei ist es, die vielfältigen Mechanismen, welche bei Menschen mit chronischen Schmerzen und psychischer Belastung wirken, zu untersuchen. Fast jeder von uns hat bestimmt schon mal mit mehr oder minder starken Schmerzen zu kämpfen gehabt. Und je länger diese andauerten, umso mehr haben wir dabei auch bemerkt, in wie weit eben diese Schmerzen unsere Stimmung und unser tägliches Leben beeinflusst haben. Ebenso haben Sie vielleicht auch schon mal festgestellt, dass unser individuelles Schmerzempfinden stark von Ihrer aktuellen Stimmung abhängen kann. Ist man niedergeschlagen oder „schlecht“ gelaunt, sind wir wesentlich schmerzempfindlicher, als in Zeiten wo wir richtig „gut“ drauf sind. Wenn wir uns  z.B. beim Sport mal eine „Schramme“ einfangen, bemerken wir dies kaum, oder ignorieren es. Stoßen wir jedoch z.B. nach einem langen Arbeitstag (vielleicht noch gekoppelt mit Ärger im Büro oder in der Familie) an einen Stuhl, Tisch oder ähnliches, empfinden wir den Schmerz als deutlich intensiver. Bei Kindern ist dies ebenso sehr gut zu beobachten. Im Spiel können gerne mal die Knie, Arme, Beine oder anderes „ramponiert“ werden, …………… „das macht doch gar nix, Mama“. Aber kaum zu Hause angekommen, hungrig, schlecht drauf, dann kann jeder kleine Rempler an Wand, Tisch, Türe oder Ähnlichem eine herzzerreißende Wein – und Tränensituation nach sich ziehen. Diese Beispiele zeigen, wie sehr unser Schmerzempfinden von unserem aktuellen seelischen Zustand abhängig ist. Im Rahmen unseres interdisziplinären Konzeptes, behandeln wir unsere Patienten bereits unter Beachtung und Fokussierung dieser Zusammenhänge.

Im Rahmen der geplanten Studie sollen weitere Details zu diesen Zusammenhängen untersucht werden.

Damit die Studie aussagekräftig und erfolgreich sein kann, bin ich natürlich auch auf Ihre geschätzte Mithilfe ein wenig angewiesen. Ich würde mich freuen, wenn Sie diese Seite Ihren Freuden, Verwandten und anderen Menschen weiterempfehlen würden, damit eine möglichst breite Bevölkerungsschicht erreicht werden kann.

Im Rahmen der Studie suche ich Personen mit folgenden Beschwerden:

  • Patienten mit chronischer Schmerzproblematik, OHNE diagnostizierte psychische Begleiterkrankung
  • Patienten mit chronischer Schmerzproblematik, MIT diagnostizierter psychischer Begleiterkrankung
  • Personen ohne chronische Schmerzproblematik, aber mit einer diagnostizierten psychischen Erkrankung
  • Personen, sowohl ohne chronische Schmerzproblematik, als auch ohne psychische Belastungen

Wichtig: die chronischen Schmerzpatienten sollten als aktuelle Ursache Ihrer Schmerzbelastung keine akute Schmerz auslösende Erkrankung haben (Tumore, akute Verletzungen, Post operative Beschwerden von weniger als 4 Wochen u.ä.). Sollten Sie sich nicht sicher sein, ob Sie für die Studie unter diesen Gesichtspunkten in Frage kommen, melden Sie sich jederzeit unter unten angegebenen Kontaktmöglichkeiten.

DATENSCHUTZ:

Natürlich werde ich ALLE Daten im Rahmen der Erhebung vollkommen anonym erfassen. Es wird NIEMALS möglich sein, dass die genutzten Daten in irgendeiner Weise ihrer Person zugeordnet werden können.

Dies ist das Grundprinzip wissenschaftlicher Forschung, an welches ich mich strikt halte.

Bei weiteren Fragen kontaktieren Sie mich bitte unter:

Telefon: 0176-78389588

oder per

email: interphysiobonn@googlemail.com

Sie können auch gerne persönlich in der Praxis vorbeikommen. Die Erhebung kann sowohl digital, als auch ganz klassisch mit Stift und Papier durchgeführt werden. Sobald genügend Personen Ihre Mithilfe zu dieser Studie signalisiert haben, werden diese persönlich von mir zum weiteren Ablauf informiert.

Ich danke Ihnen hiermit bereits vorab sehr für Ihre Unterstützung. Natürlich werde ich die Ergebnisse der Studie veröffentlichen und jeder Teilnehmer kann auf Wunsch gerne persönlich von mir zu den Ergebnissen aufgeklärt werden.

Ihr Sascha Hammesfahr

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